“Wu”?
Wu - Wer Wann Warum Wie Wo… Was können wir wissen?
Dies ist eine der ältesten Fragen der Philosophie. Spitzfindige fragen nach dem Sinn oder dem Grund für diese Fragen (manche meinen, es gäbe keinen).
Das ist die andere alte Aufgabe von Philosophie: Aus der Begrenztheit der Antworten (sprich aus den vorhandenen Bedingungen) ein Konstrukt zu entwickeln, das einen praktischen Weg zum Glücklichen Leben ermöglicht!
Ein Mittel bzw. ein Quentchen für dieses Glück ist es, immerhin überhaupt fragen zu können.
Und natürlich: Wir können nur das wissen, wonach wir fragen können.
Es sind die FrageWörter, welche die Grammatik konfigurieren.
In dem jahrtausendealten, verzweifelten und mitunter hoch inspirierten Streit über das erkennende Subjekt und das zu erkennende Objekt, über Materie und Ideen - auf der fortwährenden Suche nach der flatterhaften Grenze (ähnlich einem Horizont), wo/wie/wann der metaphysische Bereich begänne und ob das im Transzendentalen Vermutete enden könne - egal, ob man die Einflüsse des Äthers, der Erziehung, der angesammelten (Kultur-)Produkte, der Produktions- und GesellschaftsVerhältnisse hinzunimmt oder nicht ===> all dies läßt sich (zumindest auf der BewußtseinsEbene) nur durch die Verwendung von Begriffen im weitesten Sinne realisieren!
Auch die Annahme einer Objektiven Vernuft, eines WeltGeistes oder das Wissen um einen, dem Ganzen zu grunde gelegten Willen (freilich unter Subtraktion der Leistung der Vernunft) oder das begnügende Rekurieren auf eine mehr oder weniger determinierende Natur oder der offenbarte Glaube an einen Gott bzw. mehrere Gottheiten ===> all dies fände ohne die Verwendung von Begriffen nicht statt!
Vermutlich war es das, was Wittgenstein meinte, mit seinem „Die Welt ist Alles was der Fall ist!“ Nehmen wir an, er hätte intuitiv „richtig gelegen“.
Aber der aufkommende Materialismus des späten 19. Jhd., die wahnsinnigen Erfolge in den NaturWissenschaften und die faktisch sich ständig erweiternden Errungenschaften mechanischer Kausalität drängten die IdeenPhilosophen in die Enge. Ohne hier im Einzelnen alle bewundernswerten und in ihrer Exzessivität kaum nachzuvollziehenden Versuche der Philosophen des 20. Jhd. referieren zu können, und ohne die Leistungen der Angestellten geisteswissenschaftlicher Fakultäten schmälern zu wollen, darf die sehr verallgemeinernde Behauptung, nämlich daß es im Wesentlichen um die Behauptung der Definitionshoheit, ja oft um die ExitenzBerechtigung der philosophischen Wissenschaft überhaupt ging, nicht ganz ohne Berechtigung aufgestellt werden.
Aber weder die sprachanalyischen LogikExperten, noch die sich auf Gefühl und Psychologie beziehenden Empathisanten, noch Phänomenologen; weder die die EntFremdung konstatierenden Marxisten [nur metaphorisch verwendet], noch die Autoritäten der Politischen und Praktischen Philosophie - deren aller beeindruckende Leistungen konnten nicht verhindern, daß faktisch die Ökonomie den Rang einer neuen Religion eingenommen hat!
Die Frage nach dem Glücklichen Leben wurde (wenn überhaupt beachtet) untergliedert in extrem spezialisierte Diskurse – der Umgang mit Begriffen wurde, wenn vielleicht auch nicht absichtlich, normiert (Duden usw.) – das kreative Moment, nämlich aus Unmöglichem Wirklichkeit werden zu lassen, wurde mehr und mehr den Technikern überlassen. [Ich verzichte hier, auf endlos bedauernde Ausführungen über die mangelnde Rolle der Philosophen bei den wirklich wichtigen Fragen der Gegenwart und der Zukunft.]
Um nur einen Grund für die nachfolgende Behauptung anzuführen: Das Paradox zwischen der Geschichtlichkeit von Prozessen und der metaphysich gesehenen Zeitlosigkeit kann nur gelöst werden, wenn der StillStand in der philosophischen Entwicklung durch eine neue Hypothese aufgehoben wird. Die folgende Hypothese [hat meines Wissens noch niemand in dieser Deutlichkeit vorgetragen] lautet:
Sämtliche Wirklichkeit, die wir kennen können, realisiert sich über die Verwendung von Begriffen! Anders gesagt: Ohne Begriffe existiert keine Realität! Oder: Nur begriffene Realität ist Wirklichkeit! Und noch anders formuliert: Es existiert keine Realität, die nicht erdichtet wurde [insofern ist bspw. auch Einsteins RelativitätsTheorie in erster Linie Dichtung]!
W i e die Realität ausgestaltet wird, hängt vom großen Teil von der Verwendung der BegriffsSystheme ab (es ist schwer, dabei von der WirkungsStärke der bereits lexikalisierten BegriffsSysteme abzusehen).
Es wäre heute durchaus möglich [es sollte sehr schnell möglich werden], daß die Menscheit in Frieden lebt, daß niemand mehr an Hunger oder Armut verrecken muß.
Das kreative Potential, welches in dieser einigermaßen sakrosanten Philosophie verborgen liegt, ließe so Vieles möglich werden, wovon Menschen seit Jahrtausenden träumen [insofern sie für ihre Träume Begriffe gefunden haben].
Darüber hinaus steht nun die komplexe Aufgabe bevor, die spezialisierten Diskurse der Experten wieder zusammenzuführen, denn allein mit Materialismus und Ökonomie läßt sich das Glück nicht finden, auch nicht, wenn man in inszestuösen Dynastien die Kindlein gesichert in LuftSchutzBunkerBurgen über JahrTausende auf einen bedauernswerten Gott warten läßt, und auch nicht, wenn sich die Lust am kreativen Glück allein im beschäftigungszwanghaften Beschneiden des WildWuchses ergötzt.
Man kann das Glück ignorieren, aber nur, wenn man es nicht erleben will.
Sorry für diese AusSchweifungen! Was ist nun das „Wu“?
Ist es lediglich ein „triple-u“? Oder was ist es noch?
Auf jeden Fall handelt es sich um ein Experiment: Wäre es möglich, mit einem neuen FrageWort neue Phänomene oder Entitäten zu erfassen? Ließe sich durch das „Wu“ die Grammatik befruchten, um ganz andersartige Diskurse zu ermöglichen. Der Autor ist davon überzeugt.
Wenn man bedenkt, wie diffus Emotionen und Gefühle (auch aus neurowissenschaftlicher/materialistischerSicht) Entscheidungen beeinflussen, wenn man weiterhin bedenkt, daß das vorhandene Volumen an Begriffen im GefühlsBereich (im Verhältnis zu der Menge, welche uns im technischen Bereich zur Verfügung stehen) marginal erscheint, böte es sich an, mit dem „Wu“ in diese „Materie“ hinein zu fragen…
Andererseits wäre für dieses Experiment ein konkreter Sektor von Vorteil. Der Vorschlag lautet, das Wu in KommunikationsProzessen einzusetzen. Jeder Disputant kennt das Problem, wenn er inspiriert von der Rede seines Gegenüber oder gar eines Dritten, sofort erwidern möchte, darauf aber aus Gründen der Höflichkeit oder auch nur um des praktischen Verstehen Willens verzichtet. Die Frage “Wu?”, und die daran anknüpfende AntwortEbene könnten einen Diskurs ermöglichen, welcher es den GesprächsPartnern erlaubt, praktisch temporär parallel Themen und Einwände „abzuklatschen“ - ohne sich dabei ins Wort fallen zu müssen.
Wie gesagt, dies ist nur 1 Versuch bzw. die vage Vorstellung eines Versuchs. Zwar lassen sich erste praktische Ergebisse untersuchen (so ist es während eines Chats möglich, zeitgleich unterschiedliche Themen oder Aspekte eines Themas zu besprechen, durch das ZurückLesen der letzten Zeilen und die darauf eventuell erfolgende Antwort werden beide Themen ‚life’ gehalten. Es ist noch nicht abzusehen, bis zu welcher Virituosität dies gelingen kann – aber 1 QualitätsSprung scheint nicht völlig ausgeschlossen werden zu müssen…
Die möglichen Folgen der philosophischen These, selbst wenn man sie in abgeschwächter Form dahingehend verwendet, daß über die Verwendung der Begriffe Wirklichkeit gestaltet und manifestiert wird, eröffnet einen genügend großen SpielRaum für jeden Menschen, an der Arbeit am Glücklichen Leben teilhaftig werden zu können.
Eine erste wünschenswerte Modifikation bestünde darin, die Qualität einer Philosophie nicht mehr in der Quantität bzw. der AnZahl veröffentlichter Abhandlungen zu bemessen, sondern ein fortwährend (möglichst öffentliches) Symposium abzuhalten, wo gleichsam die Geschichte der Philosohie nebenbei herangezogen wird und nicht wie heute den Charakter der Debatte bestimmt. Dieses EndlosSymposium wäre heute, wenn auch mit einigen HerausForderungen, technisch möglich. Dem Bedürfnis nach Philosophie, die ihren Blick in die Gegenwart und die Zukunft richtet, könnte endlich Ausdruck verliehen werden… (Fortsezung bitte per Email anfragen)