Philosophie & Wirtschaft

… WirtschaftsKoppulation

[Phantasie zu der Geschichte eines wirtschaftlichen Erfolgs und dessen Niedergang]

Seit jeher stehen Philosophie und Wirtschaft in einem engen Verhältnis. Der Legende nach war es der altgriechische Philosoph und Mathematiker Thales (624-546 v. Chr.), der aufgrund seiner Kenntnisse eine reiche OlivenErnte vorhersah und mit einem Kartell von ÖlPressen den Markt beherrschte. Heute scheint es der Besitz über das schwarze Öl zu sein, welcher die wirtschaftliche Entwicklung der Völker bestimmt.

Wirtschaftliche Erfolge ermöglichen es, den FreiRaum oder die Basis für die KulturEntwicklung der Menschen zu schaffen. Neben der wissenschaftlichen Entwicklung sind es vor allem die KulturLeistungen von Religion und Philosophie, die ihrerseits wieder die wirtschaftliche Entwicklung befruchten können.

Ein gutes BeiSpiel dieser Prozesse können wir während der Renaissance beobachten. Die wirtschaftliche Prosperität von Florenz und anderer städtischer Fürstentümer strahlte durch Handel und militärische Abenteuer, die in Philosophie und Kunst provozierten Diskurse über lokale Grenzen hinaus aus. Die Einführung des PatentSystems motivierte enorme technische (leider kaum soziale) Innovationen, wie es von Gerhard Mensch (*1937) in dem volkswirtschaftlichen (leider nicht zum Standart erhobenen) Werk „Das technologische Patt” beschrieben ist.

[Im Übrigen beschäftigt sich diese wichtige Arbeit ausführlich mit dem Zusammenhang von Innovationen und wirtschaftlichen + politischen Krisen.]

Die handwerklich-technischen Innovationen verbesserten u.a. die Möglichkeiten der SeeFahrt und trugen mit zur Entdeckung bzw. Kolonialisierung der “Neuen Welt” bei.

Außerdem läßt sich beobachten, wie die wirtschaftliche Entwicklung immer mehr an die Motivation des Subjekts gekoppelt wurde. Genauer gesagt: Die Anerkennung und Aufmerksamkeit für Erfindungen und wirtschaftliche bzw. militärische Erfolge kam immer seltener allein den geborenen Adligen zugute, immer öfter partizipierten “TechnikFreaks” vom Lob und Ruhm für ihre Leistungen. Dennoch blieb der FeudalAdel im ZweifelsFall der eigentliche Nutznießer der motivationsstiftenden Belohnungen.

Möglicherweise ist es aus heutiger Sicht schwer vorstellbar oder es scheint vergessen, was damals als normal empfunden ward: Wirtschaft war eine von mehreren Optionen, um die Existenz einer Gemeinschaft/ eines Volkes zu sichern (andere Optionen waren militärische Raubzüge, Wanderungen und Handel).

Heute, da jeder Mensch, vom ersten bis zum letzten Atemzug, ein MarktObjekt darstellt, hängt es nur noch von der Geschicklichkeit der jeweiligen “Player” ab, welche Wertigkeit ein Leben gerade besitzt. Die “Wirtschaft” ist eine entfesselte Bestie!

Es läßt sich unbestreitbar feststellen:

1. Die Wirtschaft (d.h. die GroßEigentümer/Aktionäre, sowie die jeweils temporär verantwortlichen Manager/Berater/Sachverständigen bis hin zu den Angestellten) kennt keine “Nachhaltigkeit” [ein furchtbares Wort]. Besser gesagt: Es mangelt an VorausSchau - eine der wesentlichsten menschlischen Fähigkeiten, d.h. es werden in unsinniger Weise Recourssen verschwendet usw.

2. Es existiert (mittlerweile) seitens der Wirtschaft eine ziemliche Unkenntnis gegenüber den KulturLeistungen - wirtschaftliche Prinzipien haben sich auf Gebiete ausgedehnt, auf welchen sie eigentlich nichts zu suchen haben.

3. Die Einfallslosigkeit ist hoch bzw. das ReflektionsVermögen sowie Kreativität und Phantasie sind eng begrenzt.

4. Eines der wichtigsten und ambivalentesten Güter der Menschheit - es heißt Zeit(!) - wird durch WirtschaftsProzesse unsinnig “verbraten”, wobei der Prozeß des ZeitEntzuges gleichzeitig eine machtstabilisierende Funktion übernehmen soll.

5. Die zweifelsfreien positiven Ergebnisse der FinanzKapitalWirtschaft werden als ImmunitätsSchutz gegen kritische Fragen verwendet.

6. Seit einigen Jahrzehnten ist bekannt, daß “unser” expansives WirtschaftsSystem Mängel hinsichtlich der Qualität, der Zukünftigkeit und der VerteilungsGerechtigkeit enthält, dennoch wird nicht über ein dringend zu entwickelndes alternatives WirtschaftsSystem gesprochen.


Früher nutzten einige Fürstentümer ihre wirtschaftlichen Einnahmen oft für militärische Abenteuer, um so ihre EinflussSphäre zu erweitern. Manche Teile des Adels verfielen dem Prunk oder genossen ihren einigermaßen subversiven LebensStil; Andere wieder investierten in Bildung und Wissenschaft. In dieser Zeit ist eine zunehmende Bedeutung der GeldWirtschaft zu konstatieren. M.E. [ich mag mich da irren] fanden viele Einflüsse der Renaissance in Holland ein AbsorbtionsPotential. Die SeeFahrerMächte brauchten Geld, um Schiffe und Ausrüstungen in die “Neue Welt” zu verlagern, um Kolonien aufzubauen usw. Immer mehr AdelsHäuser verschuldeten sich, um beim großen “LänderMausen” dabei sein zu können. Die technische InnovationsErnte beschränkte sich zunächst auf das HandWerk, durch handwerkliche Erfindungen wurde die Effektivität der LandWirtschaft erhöht. Eine große Zahl von vorwiegend jungen (und durch die Erbfolge landlosen) Bauern wurde entweder für das Militär eingezogen, um in der neuen Welt für die Interessen ihrer Fürsten zu kämpfen, oder sie wurden zu modernen Sklaven dressiert, um dann selbst zum SklavenTreiber aufsteigen zu können, oder sie verließen von sich aus Europa, um in Amerika eine neue Heimat zu finden.


Die spanischen Eroberer hatten auf ihren Schiffen von Anfang an die Kirche im Gepäck. In ihren Kolonien wurde exzessiv missioniert, Reichtümer in Form von Gold und Silber wurden in die alte Welt abtransportiert, aber die wirtschaftliche Entwicklung wurde dadurch nicht befördert.

Allerdings tauchten bei den spanischen Besetzern rechtsphilosophische Fragen auf, genauer gesagt, es wurden philosophische Begründungen für die OkkupationsPolitik gesucht. Die Schule von Salamanca (16. Jhd.) ist dafür bekannt geworden, Krieg als Mittel zur Durchsetzung von Interessen zu verabscheuen. Es heißt, daß aus den Gesprächen und Arbeiten der Gelehrten das moderne VölkerRecht hervorging.

Interessanter Weise ist es die Schule von Salamanca, die heute für ihre frühen ökonomischen Arbeiten gerühmt wird. In der Tat setzte sich gerade diese Schule mit der Frage auseinander, wie es ethisch/moralisch zu vertreten sei, bei einem Geschäft einen zusätzlichen Gewinn zu erzielen. Es wurden u.a. nachvollziehbare Begründungen für die Zins- und KreditWirtschaft erarbeitet.


NordAmerika war von den NordEuropäern schneller und leichter zu erreichen. Faktisch entstand dort eine paraeuropäische VielVölkerGemeinschaft. Allerdings blieb der Einfluss des europäischen Adels und der KleinFürstentümer insgesamt sehr gering. Außerdem besaßen sie nicht die Kompetentz, das Personal und die RisikoBereitschaft, um in der Neuen Welt Fuß fassen zu können oder zu wollen. Diejenigen Bauern, Handwerker, Intellektuelle, Abenteurer und Ganoven, die in NordAmerika ankamen, mußten sich zunächst erheblich verschulden, um irgendwann auf “eigenen” Füßen stehen zu können. Die KreditWirtschaft boomte. Nach anhaltenden Kriegen u.a. zwischen Frankreich und England (die oft in SeeSchlachten ausgefochten wurden), hatte sich in Amerika noch vor der französischen Revolution ein bürgerlicher Staat gebildet.

An dieser Stelle sei noch einmal daran erinnert, wie wenig Bedeutung die europäischen HerrschaftsHäuser den transatlantischenProzessen damals beimaßen. Beispielsweise glaubte Napoleon Bonaparte (1769-1821) den flächenmäßig größeren Teil der USA, das französisch dominierte Louisiana (eine breiter LandGürtel zwischen Kanada und der Mündung des Mississipy) für läppische 80 Millionen Franc verkaufen zu müssen (das wären nach heutiger Wertigkeit etwa 1 Viertel Milliarde Dollar). Allerdings war die Zahl französischsprachiger Einwohner sehr gering und diese Ländereien wären sowieso nicht zu halten gewesen.

Die amerikanische UnabhängigkeitsBewegung und die bürgerliche Revolution in Frankreich sind m. E. zwei Seiten einer Medaille.


Wagen wir einen Blick in das ZeitAlter der Industriealisierung: Immer schneller wurde es möglich, RohStoffe durch Arbeit in Werte zu verwandeln. Immer mehr Banken und Privaties wurden Eigentümer von RohStoffQuellen. Der AktienMarkt bemächtigte sich technischer Innovationen - Banken entschieden, wer sich durchsetzt und wer nicht.

Ein typisches Beispiel dokumentiert die Geschichte um das von Thomas Alv Edison (1847-1931) gegründete Kartell von General Elektrics. Edison investierende in die GleichStromTechnologie und konkurrierte mit Georges Westinghouse (1846-1914) bzw. Nikola Tesla (1856-1943), die mit WechselStrom auf den Markt wollten.

Gegen den ausdrücklichen Willen der Erfinder setzten Eddison und seine Leute durch, daß der WechselStromGenerator in den „Elektrischen Stuhl” eingebaut wurde, nachdem man vorher schon u.a. 1 Elefanten bestialisch zu Tode gequält hatte, nur um diese neue Technologie zu diskreditieren. Obwohl sich Westinghaus und Teslar in jeglicher Hinsicht anständiger, innovativer und qualitätsbewußter verhielten, sorgten Banken und GE-Aktionäre für den Bankrott der Newcomer.


Es scheint gegenwärtig eine Epoche von ScheuKlappenPhilosophie zu herrschen.

Irgendwie wurde vergessen, welche bedeutende Rolle den Philosophen und Denkern bei der Installation der moderenen bürgerlichen Gesellschaft zukam. Es waren die Ideen und Schriften vieler Gelehrten, u.a. der Schule von Salamanca, Hugo de Groot (1583-1654), Baron de Montesquieu (1689-1755), Giovanni Battista =„Giambattista” Vico (1668-1744), und vielleicht Wilhelm von Humboldt (1767-1835), die Thomas Jefferson (1743-1826) zur UnabhängikeitsErklärung von Amerika und seiner nachfolgenden Entwicklung inspirierten.


Wir “Glücklichen” der JahrtausendWende können uns gar nicht mehr vorstellen, wie schnell und konsequent die Abhandlungen der damaligen Kollegen diskutiert und in die Praxis umgesetzt wurden. Heute bedürfte eseiner neuen MaßEinheit, um die Qualität des Absurden darzustellen, wollte man das Verhältnis zwischen der Anzahl philosophischer Publikationen und ihrer Wirkungslosigkeit beschreiben. Zwei Fragen bleiben bestehen:

1. Welchen GegenWert wären die GroßEigentümer und mutmaßlichen NutzNießer bereit zu zahlen, wenn es darum ginge, die von Philosophen erarbeiteten VertragsGrundlagen zu honorieren? [Natürlich handelt es sich nur um eine rethorische Frage.]

2. Wäre es möglich, den heute verantwortlichen Entscheidungsträgern verständlich zu machen, daß die Rolle von Philosophen, Ethikern und Künstlern h e u t e mindestens genau so wichtig ist wie zu Beginn der bürgerlich/kapitalistischen Epoche?


[Es wird eine ZwischenAnmerkung notwendig: Anhand verschiedener philosophischer Strömungen (bspw. der Aufklärung) läßt sich nachvollziehen, wie bestimmte Thesen ihre Wirkung entfalten. Mit anderen Worten: Kleine philosophische Gespräche über dieses oder jenes Thema können den Gang der Geschichte entscheident beeinflussen. Manchmal dauert es eine längere Zeit, bis die entsprechenden Ideen ihre Wirkung entfalten.

Diese Aussage steht nicht im WiderSpruch zur bemerkenswerten Beobachtung von etwa Charles Darwin (1809-1882) oder Karl Marx (1818-1883), daß sich in der Geschichte epochale Prozesse beobachten lassen, die wesentlich von ökonomischen und anderen objektiven Bedingungen abhängen. Allerdings sollte der Einfluss philosophischer oder religiöser Thesen und die Rolle der kommunizierten Informationen sowie die Verbreitung von Gerüchten beim "Gang" der Geschichte nicht unterschätzt werden.


So sehr ist es schwer, den Wandel der Geschichte in seiner unvollständigen Komplexität und scheinbaren Widersprüchlichkeit in wenige Sätze zu verdichten, daß ich im Folgendem darum bitte, einige der gewöhnlichen Einwände zunächst zurückzustellen.

Die zusammenhanglose Darstellung aus verschiedenen Epochen erscheint mir notwendig, um eingefahrene Strukturen und Muster verlassen zu können...]


Im feudalen ZeitAlter waren es fast ausschließlich verschiedene ReligionsStrömungen, bzw. deren philosophische Thesen, welche die Praxis bestimmten. Es waren vor allem Anführer von Christen unterschiedlicher “Schulen”, welche ihre rethorischen Fähigkeiten einsetzten, um ihre gnadenlosen TodesUrteile gegen Andersdenkende zu rechtfertigen. Deren undurchschaubares InformationsManagement und die fortwährende Übung der lügnerischen HetzRede bis in die Gegenwart hinein hat die Öffentlichkeit immer wieder “schuldig” werden lassen. Dabei ist es in der Logik von monothesistischen Religionen begründet , daß immer nur eine Theorie, ein Glaube, ein Wissen über die Beschaffenheit, die Macht und die Freundlichkeit des einen Gottes “Recht” behalten kann. Es ist logisch, daß die verschiedenen monotheistischen Religionen sowohl fortwährend untereinander verstritten sind, als auch innerhalb einer solchen Religion jede Entwicklung, jeder Zweifel, ja sogar manche Frage als “gefährlich” eingestuft wird. Der andauernde Streit über die Richtigkeit dieser oder jener Theorie, verbunden mit dem Verunglimpfen der jeweiligen Kritiker und EigenDenker hat u n s nicht selten die besten Köpfe gekostet.

Als Hinterlassenschaft steht vor uns ein bitterer Cocktail aus

- einseitig motiviertem Egoismus;

+ massiv-morbider MonoReligion;

+ Ergebnissen der industriellen Revolution;

+ falschen Auslegungen und Anwendungen des Rationalismus;

+ überbewerteten und verlockenden Lehren (und deren SpielArten) des Theologen Johannes Calvin (1509-1564) und anderer KirchenVerteidiger;

+ Materialismus, Ökonomologie, Verknappung von Ressourcen und Zeit;

+ Inkonsistenz zwischen einerseits universalen Kriterien von Wissenschaftlichkeit und andererseits pragmatischem Umgang mit WahrheitsWerten;

+ ungenauem Gebrauch von Begriffen und daraus resultierenden MißVerständissen bzw. Tabuisierungen;

+ einer zunehmenden Differenz zwischen Ethik und Gesetz bzw. Recht.

[Es ließen sich weitere BestandTeile aufzählen, die eigentlich, ebenso wie die genannten, einer umfassenden Erläuterung bzw. Diskussion bedürfen.]


=> Daraus folgt: Wir haben es quasi mit einer “amnesierten” Öffentlichkeit zu tun!

Pseudodemokratische Strukturen wurden installiert, um die Eigner kartellisierter Märkte zu bedienen.


Die Zivilisation ließ ein nahezu mechanistisches ‚Bild’ bzw. einen modernen Mythos vom Menschen als Produkt seiner eigenen Arbeit erwachsen. Es ist heute immer noch nicht abzuschätzen, wie sehr die Erfolge der NaturWissenschaften - vor allem auf industriell-mechanischem Gebiet - die GeisetesWissenschaften unter ZugZwang brachten.

[Man beachte die große Anzahl von Metaphern aus dem Gebiet der Mechanik, welche die "Denke" der GeisetesWissenschaftler prägten.]

Gegenwärtig wird vom InformationsZeitalter gesprochen. Es sind nun oft die frischen Metaphern aus der ComputerTechnologie, welche geistige, erkenntnistheoretische und mentale Prozesse skizzieren. Die Verwendung von Begriffen hat einen mindestens mittelbaren Einfluss und eine konstituierende Wirkung auf kulturelle Entwicklungen.


Bei einer RückBlende läßt sich ein möglicherweise unterschätzter Streit aufspüren. Die Fragen und Lehren des Rationalismus von René Descartes (1596-1650) wurden nicht selten im Sinne der von Isaak Newton (1643-1727) begründeten Mechanik mißbraucht. Hatte Ersterer noch versucht, Physik, Erkenntnis, Ethik, Menschlichkeit und Metaphysik zu vereinen, war es Letzerer (angeblich mit einer unitarischen Vorstellung ausgerüstet), der oft für deterministische PrädistinationsModelle calvinistischer BauArt vereinnahmt wurde oder sich vereinnahmen ließ.

Der heute nicht ganz vergessene Dichter J. W. Goethe (1749-1832) fühlte sich intuitiv verpflichtet, der newtonschen Suggestion von der mechanischen Erklärbarkeit der Welt (und alle ihrer BestandTeile) zu widersprechen. Goethe hatte in seinem HauptWerk, der “Farbenlehre”, auf die neuen Formen von Dichtung (das Verwenden von Formeln und Kürzeln) verzichtet. Seine “Wissenschaft in Prosa” wurde von den Physikern nicht ernst genommen. Eigentlich ist auch das “FaustWerk” nichts anderes als eine Warnung vor mechanistischen HeilsVorstellungen. Wissen und Befriedigung (das glückliche Leben) ist über „äußere” bzw. technische Dinge nicht zu erreichen, wenn dabei das SeelenLeben, Ethos und Ästhetik geopfert werden.

Arthur Schopenhauer (1788-1860), einer der wenigen Philosophen auf dem Stand der NaturWissenschaftler seiner Zeit, hatte das Primat der Philosophie verteidigt.

Die Erkenntnisse der NaturWissenschaftler seien immer an die Formen Raum und Zeit gebunden, technisches Wissen basiere auf den Koordinaten innerhalb dieses Systems. Hätten die Kollegen des ausgehenden des 20. Jhd. diesen Mann etwas ernster genommen, dann fiele es heute wesentlich leichter, die Begrenztheit materialistischer NaturWissenschaft aufzuzeigen.

Die Ebene des “Wollens” ist der Ort unserer GefühlsEntscheidung. Es ist das soziale und subjektive ZusammenSpiel von Wille, Vernunft und Gefühl, das uns glücklich macht. Jedenfalls wäre dies eine angemessene philosophische BetrachtungsWeise.

Statt dessen dürfen wir uns das Glück in der Apotheke kaufen. Der Wirtschaft tut dies gut! Tausende Beschäftigte in der ChemieIndustrie sorgen für unser SeelenHeil. Sehr gut funktioniert der Deal zwischen NaturWissenschaft und Wirtschaft auf dem GesundheitsMarkt - zumal die soziale Gemeinschaft bezahlt.

Die Konklusion von Wirtschaft und marktverwertbarer Wissenschaft gilt als d a s Mittel für die Rettung der Menschheit.

Mit dem seriösen Accessoire namens “Mathematik” versehen, berherrschen Ökonomie und Wirtschaft heute die gesamte kulturelle Szene. Die Früchte dieser Allianz ließen der globalen Menschheit einen gigantischen TermitenHügel erwachsen. Nun haben wir in unserer platonischen Höhle statt eines Ausgangs eine neonglänzende Säule, die bunte Schatten (sprich Wirklichkeiten) wirft - und es wird noch schwerer, den KunstSchattenSehern von den Ideen zu erzählen.


Gehen wir zurück zur Epoche der Aufklärung:

Die PreußenKönige Friedrich Wilhelm der I. (1688-1740) und Friedrich der II. (1712-1786) erkannten den (nicht nur) wirtschaftlichen Wert von Bildung. In dieser Zeit wurde in großem Stil ein modernes BildungsSystem aufgebaut.

Vor allem Friedrich der II. pflegte vielzählige Kontakte zu den Gelehrten seiner Zeit. Er gilt als Vertreter der aufgeklärten Monarchie. Während seiner relativ langen “DienstZeit” läßt sich die mehrschichtige Widersprüchlichkeit zwischen philosophischen Theorien, hohen humanistischen Idealen und wirtschaftlich/militärischen Praktiken studieren. So galt Friedrich bezüglich der ReligionsFreiheit als einer der tolerantesten Könige Europas, dennoch wurde die Diskreminierung der Juden nicht aufgehoben…

Einer anderer dt. Aufklärer, I. Kant (1724-18049 hatte den berühmtesten Satz der Aufklärung ausgesprochen: ‚Man solle den Mut haben, seinen eigenen Verstand zu benützen, um sich aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit zu befreien.’

Kant war der philosophische Nukleus seiner Zeit. Er überblickte gleichzeitig die Thesen des Rationalismus (Leibnitz, Baumgarten, Wolff) und die Logik des Empirismus (Locke, Berkeley, Hume). Er wollte eine Ethik schaffen, die auf menschliche Vernunft gegründet ist und nicht auf klerikalem KadaverGehorsam.

Viele von Kants NachStreitern (die ihn “von hinten” gelesen haben) studierten die “Kritik der Urteilskraft” (1790). Dann versuchten sie den Weg zurückzufinden und verirrten sich in den zwei differierenden Ausgaben der “Kritik der reinen Vernunft” (1781/87).

Aber Kants eigentliches Ziel - eine Ethik zu entwerfen, welche auf den Leistungen menschlicher Vernunft basiert - wurde offensichtlich von seiten selbst ernannter Adepten und deren teilweise eitlem Gebaren streng verfehlt.

Der eigentliche Effekt der Aufklärung, die Entwicklung eines vernüftigen SelbstBewußtseins, welches endlich die Möglichkeit bot, klerikal-religiöse SchuldSchauerHirarchien zu überwinden, geriet unter den Hammer mechanisch-industrieller EntFremdung. Nein - eigentlich ist es komplizierter: Das neu entdeckte, aufklärerische SelbstBewußtsein wuchs mit den ständig fortschreitenden Erfolgen in den NaturWissenschaften und der Wirtschaft. Doch viele Erfinder und NaturWissenschaftler hatten ihre Inspiration durch die Beschäftigung und Diskussion philosophischer Texte gewonnen.


Gegenwärtig ist es skandalös, wie wenig Beachtung den Philosophen und Intellektuellen entgegengebracht wird. Es ist teilweise “selbst verschuldete Unmündigkeit” der geistig arbeitenden Community, sich derart unerhört ins Abseits drängen zu lassen. Es ist gefährlich absurd, daß die Geschicke der Menschheit nahezu ausnahmslos einigen “Verwöhnten Gören” überlassen wird, denen humanistische Bildung und soziales Gewissen fehlt. Es ist affig , wenn sich gesellschaftliche Integrität und sozialer Status am Einkommen, am Besitz und am Eigentum messen, statt an der Bedeutung dessen, was jemand für das Gemeinwohl leistet bzw. bereit ist, dafür zu leisten.

Die gerechte Verteilung von Aufmerksamkeit und Anerkennung wäre wichtiger als der jahrzehntelange VerteilungsKrampf zwischen privatrechtlichen InteressenVertretern.

Die OhnMacht wächst! Die Besinnungslosigkeit nimmt zu [abstruse Steigerungen des Unmöglichen]!

Die alten Ziele Freiheit - Gerechtikeit - Gemeinschaftlichkeit verlieren an Bedeutung.

Tendenziös neofeudale HerrschaftsPraktiken zertrampeln die Ernte der Aufklärung. Der wachsende Einfluss der Religionen zerstört realisierbare Träume. Das gigantisch blinde SelbstBewußtseins von PrivatEigentümern vernichtet das aufopferungsvolle LebensWerk zahlreicher Dichter und Lehrer.

Zu Beginn des 3. Jahrtausends xristlicher Rechnung entscheiden Juristen mit mangelnder rechtsphilosophischer Ausbildung als Parlarmetarier und Gesetzgeber über die Verteilung von Schulden und Eigentum. Es sind wenige PrivatEigentümer, welchen die teuren und bürokratischen Einrichtungen des Staates nützen. Es sind Bürokraten, die zur Erhaltung ihrer Existenz Bürokratie erzeugen müssen.

Grundsätzliche Fragen, etwa über Freiheit oder VerteilungsGerechtigkeit werden nicht mehr besprochen. Bildung, Informationen und Kultur werden zunehmend zum Eigentum einer Kaste.

Was ist geschehen? (Fortsetzung bitte per Email anfordern)

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