Philomanie
== Philomanie == (oder auch Philomania)
ist eine absichtlich mißlingende Abgrenzungsbewegung gegenüber der sogenannten [[Philosophie]].
Während der Begriff Philosophie aus ”philos” = der Freund und ‘’sophia” = die Weisheit zusammengesetzt, also Freund der Weisheit bedeutet, wird ”maniea” eher mit Wahn aber auch mit Leidenschaft übersetzt. Der Philomane ist der Freund des Wahns und der Leidenschaft. Allerdings galten im alten Griechenland geistige Besonderheiten und Abweichungen als heilig, während sie heute sofort als Krankheit definiert werden.
Entstehung und Bedeutung
Die in ihrer Vielzahl nicht zu überschauenden SehnSüchte einzelner Träumer, WeltVerbesserer und NeuGieriger, die Fragen nach Sinn, Glück und Wahrheit endlich beantwortet zu bekommen, ohne sich auf die trockenen und vor allem in ihrer Praxis erfolglosen Techniken und Texte der Religionen oder der GeistesWissenschaften (insbesondere der Philosophie) verlassen zu müssen, führte gegen Ende des 20. Jahrhunderts vermehrt zu einer neuen GeistesHaltung, die sich am besten mit dem Begriff “Philomanie” oder “Philomania” beschreiben läßt.
Die Tätigkeit der Philosophen hatte sich zum Ende des 20. Jhds. fast ausschließlich auf PhilosophieGeschichte spezialisiert. Philosophische Debatten hangelten sich nahezu ausnahmslos an historischen Texten entlang. Neuere Texte entstehen nahezu ausschließlich auf der Grundlage von älteren. Allein schon die [[Quantität]] der Schriften und des Wissens der alten Autoritäten ist derart unüberschaubar, daß seriös gelten wollende Philosophen sich nur noch aus ihren Spezialgebieten heraus zum öffentlichen bzw. politischen Leben äußern.
Für den Philomanen ist das Studium von Texten nur eine Technik von vielen, sich mit den Fragen, Problemen und Plänen der Gegenwart und der Zukunft auseinanderzusetzen.
Es werden Themen aus der Praxis und dem Alltag mit möglichst unterschiedlichen Menschen aus den verschiedensten BevölkerungsSchichten diskutiert. Für Philomanen sind Materialismus, Idealismus, Metaphysik, Religion, Realismus nur verschiedene Farben eines RegenBogens.
Die Tätigkeit des Philomanen ist wesentlich auf das Gemeinwohl ausgerichtet. Der Philomane ist ein bekennender WeltVerbesserer: Der Philomane ist sich der eigenen Schwächen und Fehler bewußt (oder versucht sich diese bewußt zu machen): Nichts scheint ihn davon abhalten zu können, sich in neue, teilweise gefährliche Situationen zu begeben. Phasenweise erscheint der Philomane erlebnissüchtig zu sein, dann wieder versinkt er in grenzenloses Schweigen, dann wieder überkommt ihn ein unersättliches KommunkiationsBedürfnis…
Für den Philomanen ist der Begriff der Philomanie ebenso unwichtig wie das Attribut der Wissenschaftlichkeit. Das Philomanische ist eine Eigenschaft, die nicht personal gebunden ist.
Während also die alten Philosophen (bspw. [[Platon]], [[Leibnitz]], [[Kant]] von ihren heutigen Kollegen als solche anerkannt werden - wobei das Augenmerk fast ausnahmslos auf die Texte gerichtet bleibt - verlieren sie ihre restliche Bedeutung als Künstler, Heiler, Rechner, als Menschen schlechthin. Philosophen sind im Wesentlichen n u r Philosophen. [[Goethe]] zählt nach der gegenwärtigen Zählart genauso wenig dazu wie [[Stanislaw Lem]] (,obwohl der dieses Fach studierte,) oder [[Thomas Pynchon]].
Philomanisches Verhalten erscheint oft temporär. Es gibt potentielle Philomanen, welche sich ihres philomanischen Empfindens, Seins, Tuns nicht im geringsten bewußt sind.
== Philomanische Eigenschaften und Tendenzen ==
Vielleicht ist es hilfreich zwischen sichtbaren/nachvollziehbaren und eher unsichtbaren/nicht nachweisbaren Fähigkeiten zu unterscheiden.
Die Sichtbaren:
- ausgeflippte Neugier
- schüchternes bis mürrisches Grübeln
- freche Beleidigungen, beängstigende Unzuverlässigkeit (in wahrscheinlich belanglosen Angelegenheiten)
- ungeheuerliche, unerwartete Handlungen und HypothesenBildung
- aufrichtigste Traurigkeit, ausgelassenste Heiterkeit, ausdauernde Gleichgültigkeit
Die Unsichtbaren:
- träumendes Gleiten
- gedankenverwandtschaftliche ErkenntnisWeitergabe (über wenige Ikons werden ganze Koffer von Ansichten/Erkenntnissen TheorieStreitigkeiten übermittelt)
- zeitweiliger oder dauerhafter Zugang zur NebenGegenwart (eine Welt in der gängige Vorstellungen und Begriffe nur noch von vager Bedeutung sind)
- grausamste, von der Gemeinschaft tabuisierte Vorstellungen werden in der
Phantasie realisiert und oft intensiver erlebt, als wenn sie auf der sogenannten realen Ebene Wirklichkeit wären.
Dieser Katalog ließe sich erweitern. Ein weiteres merkwürdiges [[Phänomen]], welches bei unterschiedlichen Philomanen festgestellt wird, ist die Fähigkeit der SelbstBeobachtung. Sie sind nicht nur traurig, wenn sie traurig sind, sondern sie fühlen ihre Traurigkeit gewissermaßen doppelt. Es gibt einen Unterschied zwischen „normaler” Traurigkeit und der bewußt gefühlten Traurigkeit. Philomanen erleben mitunter verschiedene Gefühls- und Bewußtseinszustände gleichzeitig.
Der Begriff der [[BorderlineKultur]] scheint nicht zufällig mit dem Erscheinen der ersten bewußten Philomanen in Zusammenhang zu stehen.
Der Mischmasch aus Religion/Philosophie/Naturwissenschaft/Ökonomie, dem sich zu Beginn des 3. Jahrtausends die ersten global denkenden und fühlenden Generationen ausgesetzt sahen, war nicht mit dem erwarteten praktischen Verhalten in nationalstaatlichen Gesellschaften zu vereinbaren. Mit anderen Worten:
Die in Bildungsstätten|Medien|Politischen Institutionen und anderen MotivierungsEinrichtungen verbreiteten Parolen zur Aufrechterhaltung der traditionellen Struktur von Macht|Eigentum|Kultur|Liebe wurden dem Bedürfnis nach einem relaxten, abenteuerlichen und wahrhaftigen LebensStil nicht mehr gerecht.
Die Ethik der Philomanen:
Für Philomanen ist es das größte Problem Gesetze und Regeln einzuhalten. Ständig hinterfragen sie deren Gültigkeit. Der Philomane muß Gesetze überschreiten.
Der Philomane verhält sich oft ungerecht, macht verwerfliche Fehler, schadet vermeintlich einzelnen Menschen oder einer ganzen Gemeinschaft.
In Zeiten, in welcher noch kein Bewußtsein über philomanische Prozesse existierte, war es durchaus möglich, daß Philomanen sich aller erdenklichen (auch der schlimmsten) Verbrechen schuldig machten. Der Philomane erlebt auch die Bestrafung seiner Fehler. Er selbst leidet unter seinem Fehlverhalten sehr stark. Dieses innerliche, unsichtbare Leiden ist nicht zu vergleichen mit GefängnisStrafen und Ähnlichem. Letztere, von der Gemeinschaft akzeptierten konventionellen Strafen, fordern manchen Philomanen geradezu zum GesetzesBruch heraus, auch um diese ungerechten und dummen konventionellen Strafen mitzuerleiden. Der Philomane ist ein mitleidendes Wesen. Dieses Mitleid wird allerdings oft durch eine nicht nachvollziehbare Art und Weise ausgedrückt.
Im Zeitalter zunehmender Virtualisierung entstehen zunehmend [[Metaphern]] für eine philomanische Lehre. Philomanen lernen ihre GesetzesÜberschreitungen, ihre MassenMorde und ihre autoobzessiven VerhaltensStörungen in der Phantasie bzw. der (sehr viel realeren) [[NebenGegenwart]] auszuleben. Die Erkenntnisse, die sie in derart fürchterlichen Prozessen sammeln, dienen letztlich immer dem Gemeinwohl. Durch ihre Erfahrungen kann die Gemeinschaft möglicherweise vor Fehlentwicklungen geschützt werden.
Die Ausbildung des Philomanen:
Es gibt keine wirklich rationale Ausbildung. Theoretische Erkenntnisse können zwar an Schüler vermittelt werden, aber gerade deren Berücksichtigung behindert möglicherweise wahrhaftig philomanisch wirksames Handeln. Die Welt des Zufälligen, des Unbewußten, des Unerklärlichen kann nicht wirklich rationalisiert werden. Das Spiel, der Kampf, die Suche, das Beobachten, die Leidenschaft, der Rausch, das GemeinschaftsGlück sind die KlassenZimmer der SelbstAusbildung. Nicht selten verirrt sich der Philomane, und wie in einem Sumpf gibt es keinen geraden Weg zurück. Jeder hochgehaltene oder hingeworfene RettungsRing kann den Philomanen noch mehr in die Irre führen. Ehrlicher (mutiger) Zweifel und kritisches Vertrauen von vernünftigen MitLeidenden sind zwei der wenigen Quellen, aus denen der Philomane seine Anerkennung speißt.
Relevanz
Die Anzahl der ZweiBeiner, welche sich mit dem Begriff ”philomanisch” identifizieren können ist wahrscheinlich größer, als die aller Politiker. Global gesehen, werden mehr Philomanen existieren als Anhänger irgend einer Religion oder Ideologie. Die Relevanz und die Bedeutung des Begriffes ”Philomanie” könnte also sehr schnell wachsen.
Bis zum April 2007 wurde der Begriff Philomanie nur sehr selten im Internet (unter 10) verwendet! Es handelt sich also gleichzeitig um ein Projekt und um ein enzyklopädisches Experiment.
[Zu diesem Experiment zählt ebenso der Versuch, dem Prinzip einer rationalen, distanzierten, neutralen Beschreibung gerecht zu werden, ohne dabei auf metaphorische oder polemische BeschreibungsTechniken zu verzichten.]
Die zunehmende Distanz zwischen naturwissenschaftlichen Errungenschaften und spirituellen oder mentalen ProblemLagen ist das SpannungsFeld, aus dem Philomanen erwachsen. Philomanische Tendenzen zeigen sich beim ehrgeizlosen Physiker ebenso wie beim flippigen Ökonomen oder wie beim Doktor der Philosophie, welcher sich vielleicht gerade als Kabarettist oder Clown verdingt. Es betrifft den augenzwinkernden Schamanen ebenso, wie den einsamem Kiffer.
Es spielt offensichtlich keine Rolle ob ein Philomane männlich oder weiblich, erfolgreich oder arm, glücklich oder traurig ist. Es ist egal, ob er sozusagen religiös oder vermeintlich ungläubig ist. Philomanen sind stets auf der Suche nach anderen Wirklichkeiten. Manche nennen es Traum, andere GedankenSpiel. Immer geht es darum, aus dem Garten der NebenGegwart etwas Unmögliches herüberzuholen, um es hier Wirklichkeit werden zu lassen.
Quelle
In diesem Fall sind ‘Quelle’ und Autor identisch. Der Begriff der Philomanie wurde hier eigenständig entwickelt. Bei späterer Recherche wurden VerwendungsWeisen und Bedeutungen des Begriffs gefunden, die dem dargestellten Eintrag nicht widersprechen.
[Der Artikel war für Wikipedia gedacht, wurde aber leider schon nach 2 Sekunden gelöscht:-)]